Gastbeitrag: Churer Modell

September 17, 2017

Wir danken der lieben Isabelle aka «f.r.a.u.l.e.h.r.e.r.i.n.» für ihren tollen Gastbeitrag zum Churer Modell, welches sie erfolgreich seit gut einem halben Jahr umsetzt. Viel Spass euch allen beim Lesen und Inspirieren lassen. Wer ihr auf Instagram noch nicht folgt, soll das unbedingt tun! :)

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Hallihallo ihr Lehrerinnen und Lehrer

 

Da mich die beiden Lieben von «A Teacher's Lifestyle» gefragt haben, ob ich nicht etwas zu meinem neuen Unterrichtskonzept «ChurerModell» erzählen möchte, mache ich das doch sehr gerne.

 

Ganz kurz etwas zu mir:

Ich habe im Sommer 2014 meine Ausbildung an der PHBern abgeschlossen und meine erste Klasse übernommen. Ich arbeite in der Schulstufe 5./6. Klasse und das im schönsten Kanton der Schweiz. :) Ich bin 26 Jahre alt und habe momentan eine 5.Klasse mit 9 Schülerinnen und 9 Schülern. Achja, auf Instagram bin ich übrigens f.r.a.u.l.e.h.r.e.r.i.n, einige von euch werden mich deshalb wohl schon etwas kennen.

 

So nun zum eigentlichen Inhalt von diesem Blogeintrag. Ich habe mich in diesem Frühling, dazu entschieden auf das Unterrichtsmodell «Churer-Modell» umzustellen. Ich hatte mich schon länger damit beschäftig, war mir aber noch nicht so klar, wie ich das mit der Umsetzung hinkriegen soll. Der definitive Anstoss kam dann von meinem Schulleiter. Nach einem Schulbesuch bei mir, frage er mich, wieso ich eigentlich nicht ganz aufs Churer-Modell umsteigen wolle? Er meinte mein Unterricht käme dem ganzen schon sehr nah und er würde sich freuen, es mit mir anzugehen. In meinem Kollegium haben schon einzelne Lehrpersonen der 1./2. Klasse umgestellt, ich war dann allerdings die erste im Zyklus 2 (3.-6.Klasse). Meine Schulleitung und ich sprachen dann über das nötige Inventar und die Finanzierung. Beides sollte kein Problem sein und ich bekam im Februar eine Liste mit möglichen neuen Schulzimmermöbeln. Zudem schaute ich mich im Internet um und besuchte Klassenzimmer, welche schon umgestellt waren.

 

Meine grösste Unterstützung war allerdings die Homepage: www.churermodell.ch. Die Seite ist wirklich top und ihr könnt euch über alles informieren. Auf der Homepage findet man auch eine Auflistung von 10 Punkten zur Umsetzung des «ChurerModell», von welchen ich schon einige für mich abhaken konnte. Da ihr ja alle lesen könnt, will ich deshalb auch nicht diese Homepage zusammenfassen, sondern euch viel mehr über meine konkrete Umsetzung (das «f.r.a.u.l.e.h.r.e.r.i.n.-Modell») berichten. Wichtig sind noch die 4 Elemente des «ChurerModells», welche ihr auf dem folgenden Bild (Quelle: www.churermodell.ch) seht.

 

Mein allergrösster Schritt war die Umgestaltung des Schulzimmers. Zudem haben die Kinder keine festen Plätze mehr und so geht der Stauraum in den Pulten komplett verloren. Die Schülerinnen und Schüler müssen also ihre Materialien irgendwo anders aufbewahren.

Ich habe mich dazu für Schubladenmöbel (Forminant) entschieden. Jedes Kind habe eine Schublade für das persönliche Material (Hefte, Etui, Mäppchen) und alles Material der Schule (Zahlenbücher, Pupilsbook, NMG Lehrmittel etc.) fand einen neuen Platz im Klassenzimmer.

Zusätzlich habe ich noch zwei Servierwagen und 20 Hocker von IKEA neu gekauft. In einen Wagen sind die Filz- und Farbstifte, sowie gemeinsames Bastelmaterial und im anderen die Lern- und Pausenspiele untergebracht.

Das Schulzimmer besteht nun aus zwei Teilen, im rechten Teil stehen die Gruppentische und im linken Teil sind die Einzelarbeitsplätze. So wählen die Kinder dann nach jedem Input oder für jede Lerneinheit aus, welcher Platz momentan am geeignetsten für sie ist.

 

Es ist wichtig, dass sie ganze Umstellung in einem Rutsch passiert und nicht Schritt für Schritt. So ist es nämlich unwahrscheinlicher, dass die Lehrpersonen und die Kinder wieder ins alte Muster zurückfallen.

Bei mir passierte die komplette Umstellung in den Frühlingsferien, so dass ich nun das ganze letzte Quartal ( 13 Wochen) nach dem «ChurerModell» unterrichtet habe.

 

Damit das alles nun noch ein bisschen konkreter wird, erzähle ich euch nun noch von einem ziemlich typischen Morgen in meinem Schulzimmer:

 

7.25 Uhr

Es klingelt, die ersten Schülerinnen und Schüler trudeln ein, geben mir die Hand, verstauen ihr Material in ihren Kästchen, holen sich einen Hocker und beginnen vorne vor der Wandtafel einen Kreis zu bilden.

7.30 Uhr

Alle Kinder sitzen nun im Kreis und der Unterricht kann beginnen. (Randbemerkung: momentan haben die Kinder keinen festen Platz im Kreis, dies wird sich nach den Sommerferien ändern.) Ich starte nun mit meinem ersten Input, normalerweise erkläre ich die Checkliste mit allen Aufgaben vom Tag oder wir besprechen die ToDo-Liste an der Wandtafel. Oft besprechen wir aber auch eine Mathematikaufgabe von den Hausaufgaben oder ich beginne mit einem Lernspiel auf Englisch oder Französisch. Dazu seht ihr viele Beispiele in meinem Instagram-Profil.

7.45 Uhr

Die Kinder wählen aus, womit sie am heutigen Tag beginnen wollen, holen das benötigte Material und setzen sich dann an einen für ihre Aufgabe passenden Platz. Nun wird gearbeitet, alle Kinder in ihrem Tempo und an der gewählten Aufgabe. Ich habe nun die Rolle des Coaches und begleite die Kinder bei der Arbeit, beantworte Fragen oder habe mal eine Kleingruppe bei mir, um etwas erneut zu erklären.

Bis zur grossen Pause sind die Kinder nun am Arbeiten, dabei wechseln sie immer mal wieder den Lernplatz, die Lerngruppe und natürlich die Aufgabe. Zudem machen alle Kinder individuell 15min Pause.

09.55 Uhr

Grosse Pause

10.20 Uhr

Wir treffen uns nach der grossen Pause wieder im Kreis. Es gibt einen weiteren Input meinerseits, damit die Kinder nun ein weiteres Lernangebot haben. Bis um 11.35 wird dann wieder gearbeitet (plus 5-10min Pause).

11.35 Uhr

Aufräumen und ab in den Kreis.

11.40 Uhr

Schlussrunde mit Feedback von mir und den Kindern, Ausblick auf den nächsten Tag, die Hausaufgaben und Verabschiedung.

11.50 Uhr

Schulschluss (den Nachmittag von diesem Tag haben die Kids frei)

 

Natürlich ist so ein Morgen nur möglich, wenn die Kinder 5 Lektionen bei mir Schule haben. Lehrer/innen- oder Klassenzimmerwechseln unterbrechen die Arbeit immer extrem. Zum Glück habe ich nächstes Jahr an drei Vormittagen so Schule, darauf freue ich mich deshalb besonders.

 

So ich hoffe euch hat der kleine Einblick in mein Klassenzimmer gefallen. Wenn ihr Fragen zum

«ChurerModell» habt dann verweise ich euch auf die Homepage (siehe oben). Wenn ihr Fragen zu meiner Umsetzung habt, dann nur her damit.

 

Liebe Grüsse, Isabelle aka «f.r.a.u.l.e.h.r.e.r.i.n.»

 

Zusätzliche Info: Dieser You Tube Film (ca. ab 27 Minute) kann ich euch empfehlen.

 

 

 

 

 

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Unsere drei wichtigsten Tipps für Lehrerinnen und Lehrer:

#1 

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#2

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#3

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